Füllfederhalter

Geschichte

1636 konstruierte Daniel Schwenter aus Altdorf eine Feder mit drei ineinandergeschobenen Gänsekielen, welche auch heute noch in der Kalligraphie verwendet werden. Im „Journal d’un voyage à Paris en 1657–1658“ wird von Autor Armand Prosper Faugère ein derartiges Gerät beschrieben. Die älteste historische Aufzeichnung eines Füllfederhalters datiert damit aus dem Jahre 1657. Der früheste erhaltene Füllfederhalter stammt aus dem 18. Jahrhundert. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gab es nur langsame Fortschritte in der Entwicklung, danach beschleunigte sie sich und die Anzahl der produzierten Füllfederhalter stieg. Dass er ein so beliebtes Schreibgerät wurde, verdankt er drei entscheidenden Erfindungen: der Goldfeder mit Iridiumspitze, dem Hartgummi und der gleichmäßig fließenden Tinte.

Die ersten Füllfederhalter, die mit diesen drei Schlüsseltechnologien ausgestattet waren, entstanden in den 1850er Jahren. Mit der Patentanmeldung am 12. Februar 1884 von Lewis Edson Watermans Tintenleiter begann die Ära des Füllfederhalters als Massenprodukt. Im ersten Geschäftsjahr produzierte die Waterman Company rund 200 Füllfederhalter an einem Küchentisch im Hinterzimmer eines Zigarettengeschäftes in New York. Die dominierenden amerikanischen Produzenten in dieser Pionierzeit waren die Firmen Waterman in New York City, Wirt in Bloomsburg (Pennsylvania) sowie Parker und Sheaffer. Diese Unternehmen überflügelten bald die vielen anderen Firmen, die zu dieser Zeit entstanden, und blieben Marktführer bis in die frühen zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts.

In Deutschland begannen die Fabrikanten Friedrich Soennecken 1871 und Koch/Weber 1872 mit der Produktion von Füllfederhaltern. Soennecken und KaWeCo wurden in den 1890ern die Hauptproduzenten von Füllfederhaltern in Deutschland. Der erste kommerziell erfolgreiche deutsche Füllfederhalter wurde 1890 von der Firma Soennecken entwickelt und kostete noch einen durchschnittlichen Wochenlohn. Die Erfindung der Gleichzugfeder zum Schreiben der Rundschrift durch Soennecken war eine weitere Innovation, die das moderne Schreiben mit Federn möglich machte. Montblanc wurde 1906/1908 gegründet. Die Firma Pelikan erwarb Patente für Füllfederhalter mit Festtinte des kroatischen Chemikers Slavoljub Eduard Penkala und 1925 das Patent des ungarischen Ingenieurs Theodor Kovács für den modernen Kolbenfüller und begann erst 1929 mit der Produktion von Füllfederhaltern.

In den folgenden Jahrzehnten gab es viele technologische Innovationen bei der Herstellung der Schreibgeräte. Das Hartgummi wurde durch Zelluloid ersetzt, was die Produktion einer viel breiteren Palette von Farben und Designs ermöglichte. Gleichzeitig wurden neue Füllsysteme entwickelt. Die Zwischenkriegszeit sah die Einführung von einigen bemerkenswerten Modellen, wie des Parker Duofold und Vacumatic, der Sheaffer's Lifetime Balance Reihe, der Toledo-Füllhalter und – ab 1929 – des Pelikan 100. 

1949 kam ein neues Kolbenfüllsystem auf den Markt, das Soennecken sich bereits 1939 hatte patentieren lassen. Zu dieser Zeit erlebte in den USA die Waterman Company ihren wirtschaftlichen Niedergang und wurde an den Konkurrenten Parker verkauft.
Während der 1940er und 1950er Jahre behaupteten die Füllfederhalter ihre beherrschende Stellung unter den Schreibgeräten, denn frühe Kugelschreiber waren teuer, neigten zum Auslaufen und hatten einen nur unregelmäßigen Tintenfluss, während der Füllfederhalter weiterhin von der Kombination aus Massenproduktion und Kunstfertigkeit profitierte. Diese Periode sah die Produkteinführung von erfinderischen Modellen wie des Parker 51, des Sheaffer Snorkel und des Eversharp Skyline, während die Esterbrook J Serie mit den Hebelfüllermodellen mit auswechselbaren Stahlspitzen billige und zuverlässige Massenprodukte anbot.

Ab den 1960er Jahren verdrängte dann der Kugelschreiber durch Verbesserungen in der Herstellung allmählich den Füllfederhalter im Alltag. Obwohl Patronenfüllfederhalter in Deutschland und Frankreich noch immer in Gebrauch sind, vermarkten manche Hersteller ihre Füllfederhalter heute eher als Sammelobjekt und Statussymbol und nicht als Schreibgerät für den alltäglichen Gebrauch. Hierzu gehören insbesondere die Marken Montblanc, Montegrappa und Faber-Castell mit der Linie Graf von Faber-Castell.

Füllfederhalter


Verwendung der Füllfederhalter

Zusammen mit dem Massenprodukt Bleistift und der Einführung von preiswertem Papier auf Holzbasis war der Füllfederhalter verantwortlich für eine weitreichende Umwälzung in der Art des Schreibens und der Form der Schreibarbeit während des 19. Jahrhunderts. Sie wurden so zum Vorläufer des modernen Büros.

Der Füllfederhalter ersetzte die nur schwer zu benutzende Kombination aus Tauchfeder, Tintenfass, Löschwiege sowie dem Löschsand, die bis dahin zum Schreiben eingesetzt wurde. Füllfederhalter werden im Allgemeinen als geeignetste Schreibwerkzeuge betrachtet, um mit Tinte auf Papier zu schreiben oder zu zeichnen. 


Federn

Die Schreibfeder ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen Füllfederhaltern und Tuschefüllern.
Die Feder eines Füllfederhalters wird normalerweise aus rostfreiem Stahl oder aus Gold hergestellt. Moderne Federn werden mit einer harten, haltbaren Spitze versehen, gewöhnlich eine platinhaltige Legierung aus der Nickelgruppe oder Iridium. Das Material der Spitze wird häufig einfach als Iridium bezeichnet, obwohl nicht alle Hersteller dieses spezielle Metall noch in ihren Legierungen für die Federspitzen verwenden. Auch Stahlfedern haben gewöhnlich Spitzen aus einem härteren Metall, da reine Stahlspitzen sich auf dem Papier relativ schnell abnutzen. In letzter Zeit werden auch vermehrt Federn aus Titan gefertigt.

Die Feder ist normalerweise von der Mitte zur Spitze mit einem dünnen Schnitt versehen, durch den die Tinte durch den Kapillareffekt von dem Vorratsbehälter zur Federspitze fließt. Bei den üblichen Federn von Füllfederhaltern verengt sich die Spitze zu einem Punkt, wodurch die Tinte in einer dünnen, gleichmäßigen Linie zu Papier gebracht wird. Spitz zulaufende Federn mit zwei Einschnitten werden im Allgemeinen als Notenfedern bezeichnet, da durch die doppelte Einkerbung ein großer Strichstärkenkontrast erreicht werden kann, der für das Schreiben von Musiknoten notwendig ist.
Obwohl die üblichen Federn eine punktförmige Spitze besitzen, die in verschiedenen Größen erhältlich sind (häufig: F = fein, M = mittel, B = breit, seltener: EF = extra fein, BB = doppelbreit), sind auch Federn mit anderen Spitzenformen erhältlich. Beispiele sind links bzw. rechts abgeschrägte Federn (Oblique, Reverse Oblique), breite Federn, die einen Band- bzw. Wechselzug ergeben (Stub), sowie elastische, schmale Federn, meist ohne gehärtete Spitze (Italic).

Füllfederhalter aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben normalerweise eine flexible Feder, wie sie zum Schreiben der bevorzugten Handschriften dieser Zeit benötigt wurden. Ab den 1940er Jahren verschob sich die Präferenz in Richtung steiferer Spitzen, die dem größeren Druck standhielten, der für das Schreiben durch Kopierpapier zum Erstellen von Dokumenten mit Durchschlag erforderlich war (Durchschreibefeder). Diesem Zweck dienten auch die Glasfedern, die zeitweise auch in völlig normalen Kolbenfüllern angeboten wurden.


Füllfederhalter als Wertobjekte

Füllfederhalter finden sich neben Massenware auch als kunsthandwerkliche Produkte – ähnlich mechanischen Uhren und anderen Gebrauchsgegenständen. Aufwändige Gehäuse für Füllfederhalter werden aus besonderen Metallen, anderen edlen Werkstoffen und zuweilen mit Juwelen versehen hergestellt. Wieder andere Füllfederhalter sind mit einem aus Japan stammenden, als Maki-e bekannten aufwändigen Lackdesign handverziert. Einer der teuersten Füllfederhalter ist der Montblanc Black Diamond, der mit Diamanten besetzt ist und einen Wert von über 120.000 € hat.